Dieser Beitrag wurde am 23.09.2009 um 10:03:49 in Dottorethomas's Blogveröffentlicht
Amok im Hirn – Was ist ein Leben wert
Amok im Kopf - Was ist ein Leben wert ?
Amok (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Amok) entwickelt sich zum Selbstläufer im Hirn, wenigstens in meinem!
Gedanken – Empfindungen – Gefühle – Intuitionen und damit die Interpretation der Inneren – Äußeren & geistigen Welt geraten zu Tages- & Nacht-Zeiten in einen sich selbst verstärkenden / hemmenden & in sich verschachtelten (d.i. rekursiven) Prozess bis hin zu dissipativen Sprüngen (I. Prigogine). Es ist ein Prozess der psychischen Funktionen (Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Intuieren & der Gedächtnisfunktionen; C.G. Jung), der in Fehlwahrnehmungen / Fehleinschätzungen mündet und damit zu Fehlhandlungen führt.
Die „Schattenseite“ (C.G. Jung) der Persönlichkeit verbirgt & beinhaltet Inhalte, für die wir uns schämen, die wir peinlich finden, die Erinnerungen an Leid & Pein dem Bewusstsein vorenthalten, die jedoch in ihrem verdeckten Dasein durch unbewusste Strebungen, Motive, Antriebe & Wünsche sowie durch zwanghaft ablaufende Wiedergutmachungstendenzen & Wiederholungszwängen in Taten, Vorstellungen, Visionen und Flashbacks unbemerkt unser bewusstes Erleben & Verhalten gängeln.
Selfness & Freiheit und ihr Weg des „Inneren Dschihads“ zur Befreiung der Persönlichkeit aus der unbewussten Herrschaft ihres „Schattens“ sind mein Lebens-Sinn gebendes Hauptthema & Leitgedanken in der Ausübung meines Seins (siehe: http://www.selfness-freiheit.de/ und http://www.selfness-persönlichkeitsbildu
Seit längerer Zeit entferne und entfremde ich mich dieser Lebenshaltung gezwungener Masen. Ich verfalle immer mehr dem Sog von Tendenzen, die durch das Verhalten von Leuten einer Firma angestoßen / getriggert wurden. Meine Geistes- & Innenwelt verstrickt sich psychophysisch in Verwirrungen, die sich zu einem tobenden Amoklauf meiner Gedanken & Gefühle zeitweise verdichten. Und das kam so:
v Ich wurde mit Verwirrungen und moralischen Verwachsungen konfrontiert durch die nachlässige Arbeit einer Firma, die den Auftrag hatte, mir ein Fahrzeug als Gefährt(e) auf meinen Reisen (auch letztlich einer Weltreise) zu erstellen. Die maßgeblichen Leute dieser Firma haben mich vollkommen im Stich gelassen. Das Produkt ist bis heute nicht fertig gestellt und die Leute wollen auch noch Geld für Ihren Pfusch. Es kommen außer Geldforderungen keine konstruktiven Lösungsangebote, so als hätten sie alles Recht auf ihrer Seite. Bis heute gibt es keine Fertigstellung und schon gar keinen Zeitplan mit definitiven Terminen zur Vollendung. Ich hänge vollkommen in der Luft und meine Hände sind mir gebunden, d.h. ich bin völlig gehemmt im Strukturieren meines Lebensablaufes. Ich bin in meiner Art zu leben gebunden / gehemmt. Meiner Neugierde ihren Lauf zu lassen, Zeit-Raum in Natur & Kultur zu durchmessen, all das Erlebte zum Teil meiner Selbst zu verdichten in Geschichten, Bildern, es wird mir versagt. Ohne diesen lebendigen Austausch ersticke ich langsam.
v Egal wie es jetzt mit Hilfe eines Rechtsanwaltes weiter geht, ich bleibe in dieser Sache – wie schon oft dank meiner Naivität, Gutgläubigkeit, Vertrauensseligkeit (nur ja niemand zu nahe treten, ihn anzweifeln, ich könnte ja seine Gunst verlieren und noch alleiniger da stehen) – ein VERLIERER. Diese Selbstzuschreibung koppelt sich an die Vorstellungen, Gefühle, Gedanken meiner in sich kreisenden Geisteswelt. Der Klang dieses Wortes schwillt unterstützt vom Generalbass meiner selbstzerstörerischen Kräfte zum alles vernichtenden Satz an: „Du bist und bleibst ein „LOOSER“ / ein Weichei!!! Dieser Satz terrorisiert jegliche korrigieren wollende Vernunft. Wache ich in der Nacht auf mit Harndrang, drängt sich ins schläfrige Bewusstsein: „Du bist nichts wert, Du hast schon wieder versagt, Du hast das ganze Erbe Deiner Eltern vergeudet! Jeder andere wäre mit dem Geld fürsorglicher umgegangen, hätte es nicht verloren! Töte Dich, damit der Rest nicht auch noch von Dir verprasst wird und vererbe das Übrig-Gebliebene Deinen Freunden, die sich Ihres Lebens erfreuen & ihr Geld zusammenhalten.“ Weiter läuft zwischen all diesen Sätzen der Schrei Amok: „Du bist ein Verschwender, bring Dich um, Du machst sowieso nur Blödsinn mit Deinem Geld, das Du nur der Tüchtigkeit, Fürsorglichkeit und der Voraussicht Deines Vaters zu verdanken hast!!! Deine Erben werden es besser verwenden, sie wären bei diesem Deal nur Gewinner, Du bist und bleibst ein erbärmlicher LOOSER!!!“ Verstärkt und beängstigen tönt es in diesem Stimmengewirr: „Fang ja nichts Neues an, vergiss alle Projekte, die in Dein krankes Hirn schießen, Du scheiterst sowieso und wirst von der Gesellschaft nach der Initiierung des Projektes hinaus gemobbt! Außerdem läuft alles was Du beginnst für Dich in einer Katastrophe aus, so wie Du drauf bist!“
v Ich bin dazu verdammt, zwischen all diesen Stimmen, die alle meinen Tod wollen, einsam & tatenlos in meinem Heim zu hocken und der Dinge zu harren. Das widerspricht jedoch gänzlich meiner Art zu Sein und zu Denken wie zu Fühlen. Mein Frei-Zeit-Raum ist eingeengt auf: wie geht das aus? Bleibt mir noch Geld? Wie viel Scham bleibt an mir kleben? Wie schaffe ich es, die riesen Wut nicht letztlich doch gegen mich zu richten, im Sumpf der Peinlichkeit zu versinken? All meine Lebensenergie / meine Libido muss ich deprimieren, niederhalten, um nicht mir und meiner Sache zu schaden und den Amok laufenden Befehlen / Aufforderungen / Schmachreden meines Hirnes nicht nach zu geben! Welch eine Kraftanstrengung! Ohne meine Beatmungsmaschine würde ich im Schlaf durch das Aussetzen meines Atems elendiglich ersticken! Über Tag erdrosselt mich die zugeschwollene Nase, Eitergeschmack legt sich über jeglichen Geschmack, der Hauch des modernden Todes! Die deprimierte Libido lässt sich in Antriebslosigkeit, Mattigkeit, Hoffnungslosigkeit verspüren.
v Um Luft schnappend trieft mein halb geöffneter Mund. Schreie der Wut, des Schmerzes verhallen in den Hallen meiner dumpfen Gedanken. Wie ein hängengebliebener Plattenspieler spult sich meine Unfähigkeit die Situation selbst konstruktiv zu lösen im Kreisen meiner Vorstellungsbilder. Ich geißle mich mit Selbstvorwürfen. Leben ist das nicht! Bring dich um dieses sinnlose Leben und schenke die verbliebenden materiellen Möglichkeiten an Erben, die unbefangen dieses Gut in ihren Dienst stellen können, um ihr Leben zu erleichtern und zu bereichern. Ich kann mich nicht verwirklichen, andere können aus den übrig gebliebenen Resten ihr Glück vermehren.
v Die Pläne zu meinem erzwungenen Ausscheiden aus meiner Zwangssituation, die mich immer mehr meiner selbst entfremdet, werden immer konkreter. Düsternis umwölkt jeden Gedanken, jegliches Gefühl. Ich kann mich selbst nicht mehr erkennen, der Apfel der Erkenntnis fällt weit vom Stamm. Die Schlange lockt mit süßen Worten ins Paradies des Ausgelöscht-Seins. Nur nicht mehr denken, nicht mehr fühlen! Stille um mich, ohne mich zu betäuben mit Selbstgeißelungen. Wenigstens das Hineinstopfen materieller Nahrung unterliegt noch meinem Willen? Das fette Fleisch unter meiner Haut schiebt sich zur Kehle, erstickt Schreie der Verzweiflung.
v Trägheit fesselt, verhindert, dass der innerlich tobende Amok sich nach außen entleert. Alltägliche Verrichtungen arten zur Qual aus, die innere Unordnung müllt meine unmittelbare Umgebung zur Festung zu, in die niemand mehr hineingelangt. Mein Ekel vor mir schreckt wohlwollende Begegnungen ab. Mein Negativismus verteufelt nicht nur mich selbst sondern auf all das und jeden, was/der mit mir in Kontakt kommt. Das Rad der Einsamkeit dreht sich in einen Hurrikan ähnlichen Sog, vernichtet jegliches Wohlwollen. Im nicht enden wollenden Strom meiner Gedanken ersäuft die Vernunft und jeglicher Wille.
v Töten! Ja töten, wäre ein Befreiungsschlag! Mich und die betrügerische Welt um mich herum, die mich mit ihrer Gleichgültigkeit ausgrenzt, zum Schatten meiner Selbst werden ließ. Niemanden zur Last fallen und doch all meine Last auskippen, wahllos, dass alle so ersticken, wie ich! Wenn ich schon mich entlaste, mich von meiner Last durch Selbstmord befreie, so sollen alle daran teil haben! Und doch will ich nicht gefunden werden, will niemanden erschrecken durch meine Tat, niemanden verletzen, der vielleicht doch noch an mich glaubt. Rücksicht! Haben die anderen mich in meinem Sein respektiert? Nein, alle sind an meinem Unglück schuld, sollen daran teil haben, mein Unglück spüren! Niemand hat Recht auf Glück, wenn es mir versagt bleibt! Töten, um mich schlagen, vernichten! Wenigstens im Tod nicht einsam sein! Nicht alleine diesen Weg gehen, nein das nicht! Wenigstens einmal das Recht auf meiner Seite, das Recht zu töten, mein Leben aus zu löschen. Einmal den rechten Weg gehen. Alle sollen den rechten Weg gehen, dann müsste ich nicht so leiden. Wenn sie mit mir gehen, ist das nur gerecht! Mit mir in den Tod fallen auf dieselbe grausame Weise, zu der ich getrieben wurde. Hand in Hand dem Tod entgegen treten. Ja das ist es, der letzte Sinn in meinem Leben. Gemeinsam die letzte Reise antreten!
„Auf der Reise Sein“ hat schon immer meine Art zu leben bestimmt und „Frei-sein“ ist ein wesentliches Prinzip meiner Selbst, meine eigenen Wege finden, jenseits von den ausgetretenen Wegen der Gesellschaft. Und so plante ich für mich den Ausstieg. So wollte ich ab Ende des Winters 2008/2009 mit dem neuen Fahrzeug auf Reisen gehen, „Zeit leben“ nannte ich dieses Prinzip. Diese Idee war mir so wichtig, dass ich deswegen meine gut gehende Praxis auflöste. Aussteigen bevor ich wieder mit neuer Orientierung einsteigen kann in neue Projekte.
Jedoch ließ mich diese unverantwortungsvolle Firma vollkommen gegen die Wand von Ignoranz und Tatenlosigkeit laufen. (Siehe dazu meinen Blog: „Verhinderte Reiseimpressionen“ auf: http://dottorethomas.livejournal.com/ & http://dottorethomas.wordpress.com/ ) Von diesem Crash habe ich mich bis heute noch nicht erholt, weil er mich in Tatenlosigkeit, Unfreiheit, Abhängigkeit hält & diese existentielle Situation von „Ausgeliefert-Sein“ einer rechtlich anonymen Macht unterliegt: Die Firma ist rechtlich besser gestellt als Ich als Einzelwesen und der individuelle Wert eines Lebens ist in der BRD anscheinend noch nicht juridisch beziffert: (Siehe Kommentar meines Rechtsanwaltes in der letzten Email: „Hinsichtlich der Frage Schadensersatz für vertane Lebensfreude muss ich Ihnen mitteilen, dass hier Ihre Vorstellungen zwar durchaus nachvollziehbar aber mit dem deutschen Recht schwer vereinbar sind. Hier bietet das Schadensersatzrecht sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Wir müssten insbesondere versuchen, einen konkreten Schaden zu beziffern, wobei Begrifflichkeiten, wie Lebensfreude regelmäßig keine bis kaum eine Berücksichtigung finden.“)
Ganz schön zynisch, was er da aus seiner Praxis zu vermitteln hat. Der konkrete Schaden ist leicht beziffert: die Kosten des Fahrzeuges; die Kosten des Einbaues von elektronischen Bauteilen zum Batterieladen, Telefonieren, Musikhören, etc. durch Bosch; die Kosten für Einzelteile zum Ausbau zum Wohnmobil wie Fenster, Matratzen, Toiletten, Duscheinbauten, etc.; die Kosten von 10.000.-€ für den fehlgeplanten ersten Aufbau, der als Mahnung für die zweite Firma hätte dienen können, es besser zu machen; die 35.000.-€ die ich brav als Vorschuss der zweiten Firma abgeliefert hatte; die Kosten für bestellte Teile, als es hieß, ich könnte das Fahrzeug zulassen. Meine Menschen-Würde & meine Menschen-Rechte und das Leid, das mir durch diese Firma – bei der ersten Firma, die gescheitert war, kann man es ja noch als einen verzeihlichen menschlichen Fehler ansehen – zugefügt wurde – da geht es um mehr als nur: „Lebensfreude“! -, all dieser Schaden an meinem Vermögen, meiner Persönlichkeit, an meiner Lebens- & Zukunfts-Gestaltung, das soll nicht gesühnt werden können, weil das Deutsche Recht den Menschen als lebendige Person nicht vorsieht!?! Welch Ironie des Schicksals in einem solchen Land geboren zu sein.
Diese Art von Machtlosigkeit triggerte bei mir alte Erfahrungen – abgespeichert in meinen „Schattenseiten“ -, was wiederum spezifische destruktive psychophysische Innerweltliche Vorgänge und Zustände auslöste. Das Festgebunden-Sein in meinem Haus in Thansau wirkt wie eine Folter. So spannt sich der Bogen auf zum Anfang dieser Zeilen. Die Welt ist doch nur ein in sich selbst Kreisen. Es gibt keine Linearität! Meine ursprüngliche Idee als Ausweg aus dem In-sich-selbst-Kreisen der depressiven Gedankenwelt: das Spiralmodell von Raum & Zeit, verliert an Kraft und Attraktion. Ich fühle mich in meiner Definition, dass mein Leben keinen Wert besitzt, bestärkt. Solange ich unfähig bin, meinem Leben wieder Richtung zu geben, so dass wieder Lebensenergie fließen kann, erleide ich einen qualvollen Erstickungstod. „Freiheit – eine Illusion“ (E. Fromm)! Solange ich nicht die Macht habe, mich zu befreien zu einem neuen Lebensentwurf, spüre ich Machtloskeit / Ohnmächtigkeit / Hilflosigkeit: der Stoff aus dem das Büßergewand des Depressiven gewoben ist. Es bleibt ein Suhlen in der „Opfer-Haltung“: gebeugt, zerbrochen, verbogen. Es quält mich der Körper, indem er meinen Schmerz in seinen Geweben und Organen ausdrückt, es zerbricht nicht nur mein Geist – ihm folgen mein Körper und meine Psyche! Es entsteht ein Zerfall des Leibes , wie derzeit eindrucksvoll an einer Station in den Giardini della Biennale an Plastilin-Figuren demonstriert wird.
Der „Amok“ im Hirn schenkt mir die Illusion: lebendig zu sein. Der Preis dieser Illusion ist die radikale Selbstentwertung. Mit dieser Entwertung entmachte ich auch scheinbar alle / alles andere. Aber dies ist ein pathologischer Versuch, einen Weg aus meiner Krise zu finden.
„Wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum lebensfähig.“
(A. Einstein)
1 Giardini della Biennale_Venice-2009
